
TOTALREFLEXION
Mit diesem Buch, meinem Ersten, nahm meine Leidenschaft für die Buchgestaltung seinen Anfang.
In „Totalreflexion“ (Arbeitstitel: Von der Arbeit an und mit mir) geht es um Sichtbarmachung menschlicher emotionaler Mehrschichtigkeit durch die Überlappung von Bildern: Bilder projiziert auf meine Haut, die als Leinwand dienend wiederum per Selbstauslöser fotografiert Inhalte neu interpretiert; Bilder werden sowohl teilweise absorbiert und durch meine Körperform transformiert, als auch reflektiert, um wieder neue Bildaussagen entstehen zu lassen.
Der Titel meines Buches spricht durch die wunderbare Zweideutigkeit unterschiedliche Gedankengänge an: Zum Einem die Arbeit mit sich selbst – sich selbst reflektieren im psychologischen Zusammenhang, sowie der rein physikalische Ansatz, der sich mit den Auswirkungen der Lichtbrechung im Sinne von Absorption und Reflexion beschäftigt und durch die Arbeit mit einem Projektor zum Ausdruck gebracht wird.
INHALTSORIENTIERTE, EMOTIONALE FOTOGRAFIE ALS AUSGANGSPUNKT
Die bewusst ästhetische Bildsprache macht Emotionen sichtbar – sie fungieren als wesentliches Ausdrucksmedium unseres Innersten. Auch die vermeintlich dunklen Gefühle, die ungewollten Schreckgespenster, erfüllen einen Zweck: Ohne sie könnten wir Freude, Liebe und Leidenschaft nicht in ihrer ganzen Tiefe erleben. Erst beide Seiten zusammen machen uns vollständig.
VOM INHALT ZUM OBJEKT
Viele Grundsatzentscheidungen mussten getroffen werden, wie zum Beispiel die Formatfrage, oder das Verhältnis von Bildern zum Weißraum und anderen Gestaltungselementen. Es würde den Rahmen sprengen, hier alles Wichtige anzuführen - die Geheimnisse der Buchgestaltung offenbaren sich duch die Bücher selbst.
EIN KÜNSTLERISCHES FOTOBUCH ALS VERBINDUNGSSTÜCK ZU "BEGREIFBAREN" EMOTIONEN
Im Gegensatz zu allen mir bekannten digitalen Medien, kann ein gut gemachtes Buch alle Sinne zugleich ansprechen. Es ist ein dreidimensionales Objekt, das gewisse haptische und ästhetische Kriterien erfüllen muss. Man nimmt es in die Hand, spürt das Gewicht, hört den Klang des Papieres, fühlt die Oberfläche und die Bewegungen des Papiers beim Blättern und manche Menschen nehmen sogar den Geruch des Papiers oder des Umschlagmaterials wahr.
ÜBRIGENS
Die Vorstellung einer totalen, das heißt vollständigen Reflexion ist eine Idealisierung, weil auch der vollständig reflektierten Strahlung immer ein Teil durch Absorption verloren geht.
Auch die Arbeit an uns selbst endet nie, sie ist ein immerwährender Prozess.






„Um zu reflektieren, muss der Geist in seiner fortschreitenden Tätigkeit einen Augenblick still-stehen, das eben vorgestellte in eine Einheit fassen, und auf diese Weise, als Gegenstand sich selbst entgegenstellen.“
(Wilhelm von Humboldt, 1767-1835)


So wie die Zeit Spuren auf unserer Haut hinterlässt, zeigt auch der Umschlag nach wiederholtem Blättern Zeichen des Gebrauchs. Diese Spuren sind nicht nur unvermeidlich, sondern auch gewollt.



